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13. Jun. 2018 •   4 Min. Lesezeit

Haben wir nicht alle ein bisschen FOMO?

Aktualisiert: Mai. 7

FOMO – was soll das heißen? Die Bedeutung ist schnell erklärt: Es ist die Abkürzung für “Fear Of Missing Out”, also der Angst etwas zu verpassen. Diese Angst steht in engem Zusammenhang mit psychischer Belastung durch ständige Erreichbarkeit, eine der Herausforderungen der heutigen Arbeitswelt.

Haben Sie angesichts der täglichen Informationsflut auch schon einmal das Bedürfnis nach einem “Digital Detox” verspürt? Im Schnitt unterbrechen wir alle 18 Minuten unsere Tätigkeit für einen Griff zum Smartphone. Basierend auf Smartphone- Nutzungsdaten hat die Universität Bonn eine Studie veröffentlicht, in der sich außerdem herausstellte, dass wir durchschnittlich 53 Mal am Tag den Bildschirm aufleuchten lassen, um die neuesten Benachrichtigungen zu überprüfen.

Wahrscheinlich kann bei diesen Zahlen jeder nachvollziehen, dass darunter Konzentration, Fokus sowie Leistungsfähigkeit leiden. Nach jeder Unterbrechung muss man sich von neuem zu der eigentlichen Aufgabe hinwenden. Das erfordert wiederum Zeit und mentale Kapazität. Nutzt man das private Smartphone auch für die Arbeit oder umgekehrt, vermischen sich zusätzlich Berufs- und Privatleben und die Zahl der Benachrichtigungen multipliziert sich. In der heutigen Arbeitswelt stellt diese ständige Erreichbarkeit eine der vielen neuen Herausforderungen dar.

Immer online, immer erreichbar – immer informiert?

Mittlerweile sind wir dank unserer mobilen Endgeräte und mobilem Internet ständig und überall erreichbar. Dieser technologische Fortschritt und seine Auswirkungen auf das Berufsleben haben dafür gesorgt, dass sich Arbeitszeiten flexibler gestalten lassen. Gleichzeitig sind damit die Grenzen zwischen Arbeits- und Ruhezeit aber auch weniger klar definiert. Ob die gesetzlich vorgeschriebene Ruhezeit von 11 Stunden eingehalten wird, liegt hier in der Einzelverantwortung der Mitarbeitenden.

Was genau ist eigentlich ständige Erreichbarkeit?

Im Gegensatz zu Arbeitszeitkonzepten wie Bereitschaftsdienst ist ständige Erreichbarkeitdie Anforderung an Mitarbeitende, unregelmäßig und außerhalb der eigentlichen Arbeitszeit für berufliche Belange zur Verfügung zu stehen. Zum Beispiel vor oder während der Arbeit, an Wochenenden, bei Krankheit oder im Urlaub, wobei die Erreichbarkeit durch Telefon, E-Mail oder Messengerdienste hergestellt und nicht vertraglich oder tariflich geregelt ist.

Diese ständige Erreichbarkeit bedeutet, dass man laufend alle wichtigen oder unwichtigen Informationen zugespielt bekommt. Da kann angesichts der Datenflut schnell das Gefühl der Überforderung oder innerer Unruhe entstehen. Sie fühlen sich unter Umständen überlastet und können die Informationen gar nicht so schnell verarbeiten, wie sie auf Sie wirken.

Zwischen Ereignis und Reaktion darauf gibt es einen Raum. Wie und auf welche Art und Weise man diesen Raum gestaltet, ist das Geheimnis von Glück und Erfolg. Stephen Covey

Lassen Sie die digitale Informationsflut nicht überhand nehmen

Wenn auf Ihrem Handy oder Laptop laufend neue Benachrichtigungen eingehen, dann liegt es also auch an Ihnen selbst, dass Sie sich davon nicht aus der Ruhe bringen lassen. Denn gemeinsam mit dem technologischen Fortschritt und neuen Geräten haben sich an Mitarbeitende auch neue Erwartungen gebildet.

Durch die flexible und ständige Erreichbarkeit entstehen sowohl von Kolleginnen und Kollegen, als auch von Vorgesetzten Erwartungen hinsichtlich der Reaktionszeit auf Nachrichten. Wenn es etwa zu lange dauert, wird dies unter Umständen negativ bewertet und das wiederum beeinflusst das eigene Antwortverhalten.

In einer Befragung im Rahmen des iga.Reports gaben die Teilnehmenden an, dass sie vor allem unter der Woche nach Feierabend verstärkt E-Mails abarbeiten. Als Grund für die ständige Erreichbarkeit nannten die Teilnehmenden den “Wunsch auf dem Laufenden zu sein” – also das bereits angesprochene Gefühl etwas zu verpassen, kurz FOMO.

Anzahl der abgerufenen E-Mails und der Umgang mit ihnen außerhalb der Arbeitszeit - ständige Erreichbarkeit sorgt für eine Informationsflut und kann zu einer psychischen Belastung werden.
Im Gegensatz zu unter der Woche sind viele Mitarbeitende im Urlaub konsequenter im Umgang mit Arbeits-E-Mails. (Quelle: iga. Report 23)

Welche Konsequenzen kann ständige Erreichbarkeit haben?

Sozialer Druck und die Angst etwas zu verpassen führen dazu, dass sich oft Verhaltensweisen ausbilden, die die Entstehung von Stress und psychischer Belastung fördern.

Die Folgen ständiger Erreichbarkeit und der damit zusammenhängenden Informationsflut sind neben Stress: :

  • Geringere Zufriedenheit mit dem Beruf

  • Verringerte Produktivität

  • Beeinträchtigte psychische Gesundheit und verringertes Wohlbefinden

  • Verfestigung eines ungesunden Nutzungsverhaltens

  • Übertragung des Arbeitsstress in das private Umfeld

  • Die gedankliche Distanzierung von der Arbeit fällt schwerer

  • Erholung nach der Arbeit wird erschwert

  • Müdigkeit und Erschöpfung

  • Schlafstörungen

Natürlich hat die Flexibilisierung von Arbeitszeiten auch positive Seiten, wenn sich Beruf und Freizeit oder Familie besser koordinieren lassen. Natürlich muss dann im Gegenzug auf eine ausgewogene Work-Life Balance geachtet werden.

Die Flexibilität darf nicht zur psychischen Belastung für einen selbst oder die Familie werden. Denn man sollte nicht vergessen, dass sich die Folgen ständiger Erreichbarkeit oft nicht nur bei Einzelnen bemerkbar machen, sondern auch das nahe Umfeld belasten können.

Klare Regeln für weniger versteckte Arbeit im Feierabend und im Urlaub

An dieser Stelle sind neben den Mitarbeitenden und deren verantwortlicher Umgang mit ständiger Erreichbarkeit auch Unternehmen gefragt. Im bereits zitierten iga.Report sprach sich die Mehrheit der Teilnehmenden für eine durch den Arbeitgeber geregelte Maßnahme zur ständigen Erreichbarkeit aus.

Ständige Erreichbarkeit führt zu Informationsflut und das kann eine psychische Belastung für Beschäftigte sein.
Die Mehrheit wünscht sich geregelte Bestimmungen zu ständiger Erreichbarkeit (Quelle: iga.Report 23)

Es gibt noch keine arbeitsrechtliche oder tarifliche Regelung zur ständigen Erreichbarkeit. Aber Unternehmen können intern Regelungen und Maßnahmen bestimmen oder in Zusammenarbeit mit den Beschäftigten erarbeiten. Meist besteht im Fall der Erreichbarkeit keine genaue Regelung, ob und wie schnell reagiert werden muss.
Ein wichtiger bestimmender Faktor ist der bereits angesprochene soziale Druck, der den digitalen Kommunikationsmedien geschuldet ist. Deswegen ist es wichtig, dass sich Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter genauso an vereinbarten Regeln halten wie auch Vorgesetzte und Führungskräfte.

Ständige Erreichbarkeit in Zusammenhang mit flexiblen Arbeitszeiten ist ein potentieller Stressfaktor, den Unternehmen bedenken sollten, bevor die zunehmende Informationsflut für negative Folgen bei den Beschäftigten sorgt. Es sollten die möglichen Folgen bedacht, der Dialog mit den Mitarbeitern gesucht und im Idealfall Handlungsempfehlungen oder konkrete Regeln abgesprochen und definiert werden.

Der Raum zwischen Reiz und Reaktion

Aber auch Sie selbst können etwas tun: Mentaltraining kann Ihnen dabei helfen besser mit der Informationsflut umzugehen. Der US-amerikanischer Autor Stephen Covey (1932-2012) formulierte es wie folgt:

“Zwischen Ereignis und Reaktion darauf gibt es einen Raum. Wie und auf welche Art und Weise man diesen Raum gestaltet, ist das Geheimnis von Glück und Erfolg.”

Damit ist gemeint, dass Sie nicht auf jedes neue Ereignis automatisch reagieren. Stattdessen können Sie durch regelmäßiges Mentaltraining lernen, wie Sie diesen Raum zwischen Reiz und Reaktion bewusst wahrnehmen können, um sich eben nicht ablenken zu lassen. Vor allem Techniken aus der Achtsamkeitsmeditation schärfen Ihre bewusste Wahrnehmung des gegenwärtigen Moments und ermöglichen ein kurzes Innehalten und Reflektieren, bevor Sie reagieren.

In unserer Mindance-App finden Sie Übungen zu Achtsamkeit und auch gezielt für einen bewussten Umgang mit Erreichbarkeit.

Lukas Stenzel

M.Sc. Psychologie

Seiner Leidenschaft für Psychologie folgend ist Lukas einer der Mitgründer von Mindance. Mit seinem psychologisches Fachwissen ist er verantwortlich für die Inhalte von Mindance und die wissenschaftliche Evaluierung.

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